Patti Cake$

Patti Cake$

USA 2017, 109 Min., R: Geremy Jasper

Im Film «Patti Cake$» will eine junge Frau Rapperin werden. Der Indie-Hit macht beste Laune. (Titel)

Irgendwo haben wir die Wortschöpfung «ein ‹Feminem›-Film» auf­gelesen. Der Indiehit «Patti Cake$» ist genau das: eine Art weibliche Antwort auf «8 Mile», jenes Sozialdrama, in dem sich der Hip-Hop-Star Eminem aus dem Arbeitermilieu rappte. «Patti Cake$» erzählt eine ebensolche Underdog-Rapper-Geschichte, nur ist die Hauptfigur hier kein blasser Hering aus Detroit. Sondern eine blasse Plus-Size-Mittzwanzigerin aus North Jersey. Sie heisst Patti Dombrowski (Danielle Macdonald) und wird von den Prolls auf der Strasse als Dumbo verspottet, während sie davon träumt, als Killa P aka Patti Cake$ Karriere zu machen.
Mutter Barb (Bridget Everett) wollte auch mal ein Star werden, nicht im Rap, aber im Rock. Sie nannte sich Barb Wire und stand kurz vor dem Plattenvertrag. Dann wurde sie mit Patti schwanger, und seither singt sie höchstens noch betrunken Karaoke in ebender Kaschemme, in der Patti mittlerweile den Schnaps ausschenkt. Knapp können sich die Dombrowskis über Wasser halten. Mit der an den Rollstuhl gefesselten Grossmutter (Cathy Moriarty) leben sie zu dritt in einem Loch.
Pattis Aufsteller im tristen Alltag: die harten Jungs von der Tankstelle beim Battle-Rap abtrocknen. Der Einzige, der an sie glaubt, ist ihr bester Freund Hareesh (Siddharth Dhananjay), ein Apotheker mit Migrationshintergrund, der es auch nicht leicht hat. Selbst der Pizzabote nennt ihn nur «Bollywood». Dann treffen die zwei auf einen weiteren Aussenseiter, Wutrocker Antichrist (Mamoudou Athie). Der lebt zurückzogen in einer Waldhütte, wo er sich ein improvisiertes Tonstudio eingerichtet hat. Das Trio, das durch die zufällige Anwesenheit von Pattis Grossmutter zum Quartett anwächst, bündelt die Kräfte und rappt sich den Frust von der Seele.
Regisseur Geremy Jasper inszenierte vorher Musikvideos, unter anderem für die Sängerin Selena Gomez. In seinem Langfilmdebüt erdet er das uramerikanische Tellerwäscher­märchen mit einem Schuss Küchenspüle-Realismus, bevor er den Film schliesslich zum umwerfenden Gutelaune­stück hochjazzt. Dass sich die Aschenputtel­geschichte des Vorstadt-Rap etwas vorhersehbar gestaltet, verzeiht man dem Film auch dank der australischen Newcomerin Danielle Macdonald, die aufgeht in der Rolle des etwas anderen Jersey-Girls.
(Zueritipp, online, 8.11.2017)

Großes Kino – und dazu muss man nicht mal ein Faible für Rap-Musik haben.
(Cineman.ch, 4. 12. 2017)

Der amerikanische Traum (Titel)
Die übergewichtige Patricia aus New Jersey (stark: Danielle Macdonald) will unbedingt ein Rap-Star werden. Das Zeug dazu hat sie, aber der Weg ist steinig, wie Regiedebütant Geremy Jasper erzählt. (Lead)
Es ist eine uramerikanische Geschichte, die der Regiedebütant Geremy Jasper erzählt. Zwar ist seine Protagonistin eine Barfrau (keine Tellerwäscherin), und sie steigt auch am Ende nicht zur Millionärin auf. Doch die übergewichtige 23-jährige Patricia (Danielle Macdonald) ist durchdrungen vom «pursuit of happiness» und gibt, ihrer schlechten Ausgangslage im «White Trash»-Milieu von New Jersey und vielen Rückschlägen zum Trotz, den Traum von einer Karriere als Rap-Star nicht auf.
Zubeissend sind ihre Verse, packend ist ihr Vortrag – doch hinter der harten Fassade verbirgt sich eine liebevolle und empfindsame Person, die unorthodoxe Wege geht, um bekannt zu werden. Gute Schauspieler und eine innovative Montage können nicht verhindern, dass der sympathische Film mit der Zeit etwas sentimental wird und dann doch in die Klischeefalle tappt, die er zunächst durch erzählerische Überraschungen zu umschiffen weiss.
NZZ, Susanne Ostwald, 8. 11. 2017

Vorgeschlagen von: 

Dieter Kuhn, Wohlen

Anzahl Stimmen: 991

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